Entdeckung der Currywurst
Die Entdeckung der Currywurst Beispielklausur:
Aufgabenstellung:
Analysieren Sie folgende Textstelle bezogen auf Lena Brückers Einstellung zur Lüge: Kapitel 4, S.88 "Aber dann, ..." bis S.91 "seine Frau und sein Kind."
-Schildern Sie kurz die Situation, in der sich Lena an diesem Tag befindet und geben Sie den Inhalt der zu analysierenden Textstelle in nicht mehr als 10-15 Sätzen wieder
-Welchen Zusammenhang sieht Lena zwischen Lügen und Erzählen?
-Stellen Sie heraus, inwiefern Lena verschiedene Formen der Unwahrheit unterscheidet, belegen Sie ihre Ergebnisse am Text
-Runden Sie Ihre Arbeit durch eine persönliche Stellungnahme ab
Aufgabenstellung:
Analysieren Sie folgende Textstelle bezogen auf Lena Brückers Einstellung zur Lüge: Kapitel 4, S.88 "Aber dann, ..." bis S.91 "seine Frau und sein Kind."
-Schildern Sie kurz die Situation, in der sich Lena an diesem Tag befindet und geben Sie den Inhalt der zu analysierenden Textstelle in nicht mehr als 10-15 Sätzen wieder
-Welchen Zusammenhang sieht Lena zwischen Lügen und Erzählen?
-Stellen Sie heraus, inwiefern Lena verschiedene Formen der Unwahrheit unterscheidet, belegen Sie ihre Ergebnisse am Text
-Runden Sie Ihre Arbeit durch eine persönliche Stellungnahme ab
Schülerlösung:
- Die Novelle "Die Entdeckung der Currywurst", geschrieben von Uwe Timm, handelt von einem namenlosen Ich-Erzähler, der nach Hamburg reist, um Informationen über die Entdeckung der Currywurst zu bekommen. Dort besucht er eine alte Frau namens Lena Brücker, die für den Ich-Erzähler die Entdeckerin der Currywurst ist und ihm einige Episoden aus ihrem Leben erzählt. Diese Episoden spielen hauptsächlich unmittelbar vor, bzw. nach dem 2. Weltkrieg, also im Mai 1945.
- Zu dieser Zeit lernt sie einen Bootsmann kennen, Bremer, und versteckt ihn bei sich zu Hause. Dadurch begeben sich beide in große Gefahr, er als Deserteur und sie als Versteckerin eines Deserteurs. An diesem Tag, dem 2. Mai, befindet sich Lena Brücker auf der Arbeit und deckt den Tisch für den Abteilungsleiter der Kantine, in der sie arbeitet. Durch eine Radiodurchsage erfährt sie, dass der Krieg, also die eigentliche Ursache für das Verstecken Bremers, zuende ist. Die Seiten 88 bis 91 handeln von Lena Brücker, die auf dem Weg nach Hause darüber nachdenkt, wie Bremer auf ihre Mitteilung über das Ende des Krieges regieren wird. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass er sich über das Ende des Krieges freuen, aber die Beziehung zu ihr sofort beenden wird. Nach der Abreise Bremers wird Lena Brücker sich selbst als alt betrachten und für Bremer nur noch mit einem lästigen Postpaket in Verbindung gebracht werden. Zuhause angekommen, verschweigt sie Bremer aber das Ende des Kreiges und berichtet ihm nur vom Tod Hitlers. Bremer nimmt sie in die Arme, küsst sie und denkt, der Krieg würde weitergehen, zumindest gegen Russland. Das Ende dieser Szene spielt sich wieder in der "Gegenwart" ab, der Ich-Erzähler befragt die alte Frau Brücker über ein mögliches schlechtes Gewissen. Die Antwort von Lena ist, dass Bremer und sie sich gegenseitig nur Wahrheiten verschwiegen hätten.
-Bei dieser Fragestellung geht es vor allem darum, ob Lügen für Lena das gleiche ist wie etwas zu verschweigen, also etwas nicht zu erzählen. Lena kommt zu dem Ergebnis, dass nur wenn man etwas Unwahres erzählt, lügt. Ohne Erzählen gibt es also für Lena keine Lügen ("..er hat mich nicht direkt belogen, er hat mir nur nicht gesagt, daß er verheiratet ist,..", 90 Mitte). Außerdem kann man laut Lena beosnders gut lügen, wenn man gut erzählen kann, bzw. kaum lügen, wenn man nur gut verschweigen kann ( "Ihr mann konnte lügen, weil er wunderbar erzählen konnte. ", 89 unten)
- Lena unterscheidet nur zwei Arten der Unwahrheit: Lügen und Schwindeln. ("Schwindeln", 91 Mitte und "Lügen", 91 Mitte) Etwas zu verschweigen ist nach ihrer Auffassung weder eine Lüge noch ein Schwindel. DIes wird deutlich, als sie, nachdem sie über Schwindeln und Lügen gesprochen hat, ihr Handeln als Verschweigen beschreibt. (" Ich denk, ich hab was verschwiegen, und er hat was verschwiegen: seine Frau und sein Kind"., 91 unten) Es ist aber nicht ganz eindeutig zu sagen, ob etwas zu Verschweigen auch ein Schwindeln bedeutet. (Für L.Brücker) Dies ist so, da sie ihr Verständnis von Lügen nicht wiedergibt. Es wäre also möglich, dass Verschweigen für sie eine Art des Schwindelns ist. Für Lena scheint es auch positive Lügen zu geben, die notwendig sind, da sie "gesund" machen. ("Aber manchmal macht das Lügen auch gesund." 91 unten)
- Meiner Meinung nach ist Lena Brückers Definition von Unwahrheit äußerst fragwürdig. Sie kann nämlich dadurch, dass sie Verschweigen nicht als Form der Unwahrheit ansieht, ihr Gewissen sehr leicht beruhigen und so ihr moralisch verwerfliches Handeln sehr leicht rechtfertigen. Es darf meiner Meinung nach nicht sein, dass man sein verwerfliches Handeln nur durch die Definition einer Sache in ein unverwerfliches konvertiert. Deshalb kann ich das Verhalten Lenas, nämlich das Verschweigen des Kriegsendes, nicht nachvollziehen bzw. gutheißen. Für mich ist das Verschweigen einer relevanten, also für den Betroffen wichtige Sache, genauso verwerflich wie Lügen.